DIARY-LIVE aus dem BLOCK:BAU [20]

8 Uhr früh. Sonntag. Ich gehe im Kopf die Hausordnung durch und kreise in meinen Gedanken rund um das, was ich nicht hören möchte. Zumindest heute nicht. Ich muss waschen. Ich meine wirklich, muss. Keine Unterhosen, keine Oberteile – nichts ist sauber. Ausserdem ist jetzt kühl, da braucht man mehr zum Anziehen. Ist ja logisch. Einkaufen gehen spielt sich nicht. Schliesslich ist ja Sonntag, und auch wenn Geschäfte in Wien offen hätten, ich müsste wohl nackt auf die Mariahilferstrasse laufen. Geht also nicht. Möchte doch nicht auf die Seite 3 der „Heute“ Zeitung. Ok, ich weiß ganz genau, man darf am Sonntag nicht waschen. Aber unter uns, man versteht doch meine Not, oder? Oder?!
Ich stehe also langsam auf und begebe mich in die Küche. Sortiere die bunt-schwarz-hell Wäsche aus und schalte die völlig überfüllte Waschmaschine ein. Ab jetzt verhalte ich mich ganz ruhig und hoffe, es klopft niemand an und weist mich zurecht.
Während ich jetzt also da sitze und ein Brot mit reichlich Butter und Marillenmarmelade bestrichen esse, höre ich, wie die Waschmaschine den Schleudergang einlegt. Mein geistiger Zustand ist grenzwertig, für’s nächste Mal nehme ich mir vor eine Matte unter das ratternde Ding zu legen. In meiner Wohnung hört es sich nämlich an, als wäre es das Epizentrum des ersten Wiener Erdbebens. Mir wird bei diesem Gedanke richtig übel, denn wie soll ich es meinem etwas älteren Nachbarn, der unter mir wohnt und wahrscheinlich gar kein Verständnis für die Sorgen einer Frau hat, erklären, dass ich nichts zum Anziehen habe! Mit einer Jogginghose kann ich doch nicht unter Leute. Das muss er doch verstehen!
Die Waschmaschine ist fertig und ich stopfe schon die nächste Ladung hinein. Jetzt geht das Theater von Anfang los! Was für ein Sonntag!

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